Nemesmedves (Ginisdorf)

Nemesmedves (deutsch Ginisdorf) ist eine Gemeinde im Komitat Vas im Kreis Szentgotthárd in Ungarn.

Geografie: Der Ort liegt im Westen des Landes, 500 Meter südlich der Grenze zu Österreich (Reinersdorf) im Tal des Vörös-patak (Reinersdorfer Bach).

Auf der Straße ist Nemesmedves über die Umgehungsstraße 87 108 zu erreichen, die im Zentrum von Vasszentmihály bei km 180,050 von der Hauptstraße 8 in Richtung Norden abzweigt, an der gleichen Stelle, wo die Straße 7454 in entgegengesetzter Richtung nach Csörötnek und Felsöszölnök abzweigt. Die Straße 87 108 endet in der Nähe der Grenze, hat aber keinen Grenzübergang; die Straße geht im Bereich des historischen Denkmalparks des Dorfes in einen Feldweg über, wodurch Zsámánd, die erste Siedlung nach der Grenze, nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist.

Geschichte: Der Ort wurde erstmals 1336 mit dem lateinischen Namen Medus genannt. Die erste Volkszählung, 1787, ergab 166 Einwohner, von denen die meisten deutschsprachig waren. Während der Herrschaft des Kommunismus in Ungarn galt Nemesmedves als letzter Ort Ungarns, welcher von der Roten Armee erobert wurde. Der 4. April 1945 galt deshalb als nationaler Feiertag. Tatsächlich ging der Krieg auf ungarischem Boden erst am 12. April zu Ende. Die deutschsprachige Bevölkerung des Ortes, welche 1941 mit 344 Einwohnern noch rund 94 % der Bevölkerung stellte, wurde 1946 gemeinsam mit jener der deutschsprachigen Nachbarorte Oberradling, Unterradling, Jakobshof und Raabfidisch vertrieben.

Im Jahr 1907 gab es noch 407 Einwohner, meist Schwaben. Das Dorf hatte eine Schule, eine Kneipe, eine Feuerwache. Im Jahr 1910 gab es 365 Einwohner, überwiegend Deutsche. Sie gehörte zum Bezirk Németújvár im Komitat Vas. Nach den erzwungenen Grenzziehungen von Trianon war es die einzige in Ungarn verbliebene Siedlung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Staatsgrenze in das Dorf verlegt, aber die Verbindung mit den ehemaligen ungarischen Gebieten, die Österreich zugeteilt wurden, wurde nicht unterbrochen, und die Bewohner von Nemesmedves kamen oft nach Németújvár und Zsámánd durch.

4. April 1945: Gemäß der Tradition des sozialistischen Systems wurde Nemesmedves 1945 als letzte ungarische Siedlung von sowjetischen Truppen besetzt, als die deutschen Truppen vertrieben wurden. Zum Gedenken an diesen Krieg war der 4. April bis zum Regimewechsel 1990 in Ungarn der Tag der Befreiung, weshalb das Dorf an diesem Tag oft große öffentliche Feiern abhielt, obwohl die Einheimischen das Datum nicht für korrekt halten, da am 11. April noch Kämpfe im Dorf stattfanden.

Verdrängung, Umsiedlung: Ein großer Teil der im Dorf lebenden Schwaben, 298 Personen, wurde nach dem Krieg vertrieben, so dass nur zehn Familien übrig blieben. Die leerstehenden Häuser wurden von "Siedlern" aus anderen Landesteilen besetzt, mit denen es zu lang anhaltenden Konflikten kam.

Bevölkerung: Bei der Volkszählung 2011 erklärten sich 100 % der Einwohner als Ungarn, 17,6 % als Deutsche (aufgrund von Doppelidentitäten kann die Summe höher als 100 % sein). Die religiöse Aufteilung war wie folgt: römisch-katholisch 94,1%, konfessionslos 5,9%.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Glocke: Am Rande der Gedenkstätte ist eine gespaltene Glocke aus Aluminium als Symbol für den Frieden platziert, an der die Besucher durch Klopfen ihren Respekt zollen können. Die Glocke trägt die Inschrift 'Ex oriente lux' (Das Licht kommt aus dem Osten). Die Jahreszahlen lauten 1945 und 1985.
Glockenturm (harangláb): Der Glockenturm wurde im 19. Jahrhundert erbaut.
Kriegsdenkmal (Befreiungsdenkmal, Siegesdenkmal) mit einem russischen T-34 Panzer: Das zentrale Denkmal der Nemesmedveser Gedenkstätte ist ein sowjetischer T34-Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg auf einem Sockel, daneben stehen Grabsteine, die die 19 Komitate Ungarns repräsentieren, gestiftet von den Komitaten und geschnitzt von den Künstlern des Velemer Holzschnitzerlagers.
Marienkapelle (Mária kápolna) die Marienkapelle trägt die Jahreszahl 1915.
Römisch-katholische Kapelle Szent Orbán (Sankt Urban), Urban-Kapelle: Die Geschwister Schopf errichteten im Jahr 1997 die "Urban-Kapelle" zum Gedenken an ihre verstorbenen Verwandten und alle 1946 ausgewiesenen Ginisdorfer.
Wanderer-Quelle (Vándor-forrás): 1997 wurde die Quelle in der Nähe der Hauptstraße zur Erinnerung an die Einweihung der St. Imre-Wallfahrt auf den Namen "Vándor-Forrás" (Wanderquelle) getauft.

Verkehr: Der Ort ist nur über die Nebenstraße Nr. 87108 zu erreichen. Von österreichischer Seite ist der Grenzübergang für Fahrzeuge gesperrt und unpassierbar. Der nächste Bahnhof befindet sich gut fünf Kilometer südöstlich in Rátót.


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Quelle: Text: Wikipedia (erweitert), Bilder: Darinko, gemeinfrei und www.nikles.net



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